Drehschwindel

Drehschwindel – Was ist das, was kann man tun?

Jeder von uns kennt Schwindelgefühle. Was nach einer Karussellfahrt auf dem Jahrmarkt  bald wieder vorbei geht, nennt man Drehschwindel .  Dauerhafter Drehschwindel  kann ein Anzeichen für verschiedene Erkrankungen sein. Viele Menschen nehmen diese Anzeichen nicht gleich wahr bzw. schenken ihnen nicht die notwendige Aufmerksamkeit .  Das kann Folgen haben.  Eine nicht richtig oder zu spät erkannte Erkrankung schränkt die Lebensqualität enorm ein.

Schwindelgefühle wie Drehschwindel sind oft mit Übelkeit, Erbrechen und Unwohlsein verbunden. Die damit verbundenen Probleme sind lösbar, wenn den Ursachen z.B. in einer Schwindelambulanz auf den Grund gegangen wird.

Schwindel ist nicht gleich Schwindel .

Um im Gleichgewicht zu bleiben, braucht der Körper seine Sinne.  Diese steuern das Schwindelgefühl.  Über die Bewegungen oder die Lage unseres Körpers im Raum und wissen wir im Normalfall jederzeit Bescheid. Unsere Nerven leiten ständig aktuelle Informationen von unseren Sinnesorganen zum Gehirn. Drei Sinne benötigen wir, um Klarheit über das Gleichgewicht und die Lage im Raum zu erhalten:

1. Das Gleichgewichtsorgan hinter dem Innenohr

Beschleunigungen und Entfernungen werden von den Bogengängen registriert, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Der Mensch hat drei Bogengänge, für jede Richtung des Raumes einen.  Sie reagieren, sobald sich die Flüssigkeit in ihrem Inneren anders dreht als der Kopf drum herum.  Wird der Kopf gedreht, so folgt die Flüssigkeit nach einer gewissen Verzögerung und dreht bei gleichmäßiger Drehung des Kopfes irgendwann genauso schnell mit.  Damit ist die relative Bewegung beendet, das Gehirn erhält keine Alarmsignale mehr. Beim plötzlichen Stillstand des Kopfes geschieht genau das Gegenteil:  Die Flüssigkeit rotiert innen noch weiter und Impulse werden solange noch an das Gehirn gesendet bis die auch Flüssigkeit selbst zur Ruhe kommt.

Im Gleichgewichtsorgan finden sich Bereiche, die welche Lagefühler (kleine Sinnes-Härchen) enthalten. Hier liegen kleine Kristalle („Steine“), welche die Lagefühler in die Richtung bewegen, sohin sich der Kopf neigt.

Steht der Kopf gerade, so bleiben auch die Sinneshaare in Mittelstellung. Würden wir auf dem Kopf stehen und die Steine nach unten hängen funktioniert das Organ nicht richtig. Genauso wenig wie im Weltall, wo bekanntlich Schwerelosigkeit vorherrscht. Die Bogengänge jedoch funktionieren auch ohne Erdanziehung weiter.

2. Das Auge

Alle Menschen bewegen sich im Dunkeln unsicherer als im Hellen. Schließen wir im Stehen die Augen, so schwanken wir stärker.  Heften wir unseren Blick jedoch an einem nahen Gegenstand, stehen wir ruhig.

Das Sehvermögen ist also ein wichtiger Stabilisator. Außerdem können wir uns besser auf neue Situationen einstellen, da wir vorhersehen können, wenn z.B. eine Kurve beim Autofahren kommt.

3. Die Körperwahrnehmung

Selbst mit geschlossenen Augen wissen wir normalerwiese, wo sich unsere Hand befindet oder wie stark unsere Knie gebeugt sind.  Dies ermöglichen Sensoren überall im Körper, welche dem Gehirn die Stellung der Gelenke übermitteln. Der Fachausdruck für diese Körpereigenwahrnehmung lautet „Propriozeption“ mitunter auch als Propriorezpetion bezeichnet. Im oberen Halsbereich,  am Übergang zwischen Kopf und dem restlichen Körper, ist diese besonders wichtig. Das Gehirn bekommt durch Gleichgewichtsorgan und Augen, über die Stellung und Bewegung des Kopfes relativ viele Informationen.

Der Rest des Körpers über den Hals sehr beweglich mit dem Kopf verbunden. Somit sind viele Informationen über die Biegung oder Stellung der Halswirbelsäule nötig um genauer zu wissen, wo sich der Körper darunter befindet.

Die Druck- und Oberflächenrezeptoren in unseren Füßen oder auf anderen Körperteilen geben beim Stehen und Gehen, Sitzen oder Liegen zusätzliche Informationen.

Alle Informationen laufen im Gehirn zusammen und werden dort verglichen.

Gibt es Widersprüche oder stimmen die Sinneseindrücke miteinander überein?  Wenn z.B. der Urlaubsflieger plötzlich durchsackt,  meldet das Gleichgewichtsorgan eine Beschleunigung nach unten, unsere Augen geben jedoch ein unverändertes Bild des Sitzes vor uns.

Stimmen die Sinneseindrücke überein, wenn eine erwartete, geplante Handlung ausgeführt wird? Unser Lagesensor im Gleichgewichtsorgan wird stark angeregt wenn wir uns hinlegen.  Dies ist jedoch zu erwarten und daher kein Problem. Treten wir z.B. als Autofahrer stark auf die Bremse, so macht uns das längst nicht so viel aus, als dem Beifahrer oder dem Passagier auf dem Rücksitz , der nicht „vorgewarnt“ wird.

Falls nun bei einem dieser Vergleiche Unstimmigkeiten auftreten und diese einen gewissen Schwellenwert überschreiten, so wird das Alarmsignal „Schwindel“ ausgelöst. Schwindel  hat also wie der Schmerz eine wichtige Warn- und Schutzfunktion.

Die Schwelle, ab wann Sie Schwindel empfinden ist von Mensch zu Mensch verschieden. Diese Empfindlichkeit kann sich abhängig von der Situation auch verändern. Wiederholt sich eine schwindelerregende Situation häufiger, so gewöhnt man sich daran und es wird von Mal zu Mal weniger Schwindel ausgelöst („Habituation“). Die Schwindel- Empfindlichkeit kann allerdings mit gleichzeitiger Angst vor Schwindel immer mehr zunehmen, dann wird es Ihnen schon bei der kleinsten Unstimmigkeit „schwindelig“.

Hier ist eine Untersuchung in einer Schwindelambulanz zu empfehlen.

Welche Schwindelarten gibt es?

Bei einer Erkrankung tritt der Schwindel meist ohne einen äußeren Reiz. Je nach der Art des Schwindels kann man diese wie folgt unterscheiden:

Drehschwindel:

Der sogenannte „horizontale Drehschwindel“ ruft  Gefühl wie in einem Karussell hervor, als hätten wir einen Drehwurm.  Menschen mit „vertikalem“ Drehschwindel haben das Gefühl in einem Lift zu sitzen der nach oben fährt oder dauernd ins Bodenlose fällt.

Drehschwindel tritt als Attacke für Sekunden bis Stunden, selten tagelang auf. Einen echten Dauerdrehschwindel gibt es nur in wenigen Ausnahmefällen. Die Ursache hierfür könnte dann eher eine Beschädigung („Läsion“) der Gleichgewichtsnerven im Hirnstamm, dem hinteren unteren Anteil des Gehirns sein. Eine Abklärung und Behandlung des Drehschwindels  sollte bei einer dafür ausgerüsteten Schwindelambulanz oder beim Neurologen erfolgen. Mitunter kommt es vor, dass sich an die Drehschwindelattacke eine länger andauernde andere Schwindelart anschließt.  Die Unterscheidung der Schwindel arten  ist für die spätere Behandlung sehr wichtig.

Durch eine bestimmte Änderung der Kopflage (Lagerungsschwindel) oder das Einnehmen einer Kopflage (Lageschwindel) kann häufig Drehschwindel ausgelöst oder verstärkt werden.

Vestibulärer Schwindel:

Dieser Schwindel lässt rührt von einer Störung einer der beiden Gleichgewichtsorgane her und ist meist mit einer Hörstörung verbunden.  Hör- und Gleichgewichtsorgane liegen eng beieinander und sind durch einen Kanal miteinander verbunden.  Denkbar wäre auch die Schädigung des Gleichgewichtsnerven. Dieser transportiert die Informationen vom Gleichgewichtsorgan ins Gehirn.  Das sollte in einer Schwindelambulanz abgeklärt werden.

Cervikaler Schwindel:

Durch chronische Verspannungen und Fehlhaltungen im oberen Halswirbelsäulenbereich kann diese kurze, höchstens Sekunden anhaltende Schwindelattacke ausgelöst werden. Das sollte in einer Schwindelambulanz abgeklärt werden.

Schwankschwindel:

Der Schwankschwindel wird von Betroffenen „wie betrunken“ charakterisiert.  Er tritt bei einer Überdosis Alkohol auf, kann aber von anderen Schädigungen im Bereich des Hirnstammes herrühren, oft durch unspezifische oder verschiedene Ursachen vor. Im Gegensatz zum Drehschwindel ist der Schwankschwindel nicht so klar definierbar. Er kann mit sichtbaren oder auch nicht sichtbaren Gleichgewichtsstörungen verbunden sein.  Schwankschwindel sollte von einer dafür ausgerüsteten Schwindelambulanz oder einem versierten Neurologen weiter untersucht werden.

Ohnmachtsgefühl:

Eine Ohnmacht, die aufgrund einer Fehlregulation des Blutkreislaufes vorkommt, wird angekündigt durch aufsteigendes Unwohlsein und Schwarzwerden vor den Augen. Bei der Ohnmacht muss es nicht zum Hinfallen kommen. Eine solche Fehlfunktion des Kreislaufs kann harmlos auftreten, wenn man z.B. morgens zu schnell aus dem Bett aufsteht oder sogar wenn man eine freudige oder schlechte Nachricht erhält. Jedoch kann auch eine ernsthafte Herz- Kreislauferkrankung der Grund dafür sein. Eine internistische Abklärung ist hier erforderlich.

„Unspezifischer“ Schwindel:

Schwindelformen, die sich nicht gut beschreiben oder einordnen lassen fallen darunter. Da man in der medizinischen Abklärung meist nichts findet, bereiten sie häufig Probleme. Dies verursacht eine zusätzliche Verunsicherung, die den Schwindel verstärken kann, da man sich auf eine Odyssee von Arzt zu Arzt begibt.

Mit folgenden Erscheinungen geht Schwindel einher:

  • diffuse Angst
  • Phobien
  • Depressionen
  • Sehstörungen
  • Medikamentenunverträglichkeit, -überdosierung oder -abhängigkeit
  • chronische Vergiftungen anderer Art

Zwei Formen des unspezifischen Schwindels wollen wir hier erklären:

Überaufmerksamkeitsschwindel:

Die unterschiedlichen Aufnahmen der der verschiedenen Sinne für das Gleichgewicht werden erst dann wahrgenommen,   wenn diese ein gewisses Maß überschreiten. Wenn man schwierige Situationen gewöhnt ist , kann diese Schwelle sehr hoch liegen.

Bei manchen Menschen und in bestimmten Phasen des Lebens kann die Schwelle jedoch auch sehr niedrig liegen. Dann tritt jede kleinste Unstimmigkeit ins Bewusstsein. Schon einfachste Situationen wie das Hinlegen oder Gehen können ein Schwindelgefühl auslösen. Die Ansprechschwelle wird zusätzlich weiter gesenkt, wenn man sich zunehmend darauf konzentriert, um die feinsten Unterschiede wahrzunehmen. Dies kann bis zu einer Situation führen, in der es nicht mehr möglich ist, echte Bedrohungen von harmlosen Situationen zu unterscheiden und so wird Schwindel schon in gewöhnlichsten Alltagsmomenten ausgelöst.  Alarm und Fehlalarm sind nicht mehr zu unterscheiden.

Eine solche gestörte Körperwahrnehmung führt zu ständigen Stresszuständen und es folgen Erkrankungen wie Schlafstörungen, hoher Blutdruck und allgemeiner Leistungsabfall.

Der Schlüssel zum Verständnis einer solchen Entwicklung liegt in der Regel bei der Lebensgeschichte des Betroffenen.

Insuffizienzschwindel:

Durch den Insuffizienzschwindel zeigt uns der Körper an, dass wir mit einer gewissen Situation überlastet sind. Dazu kommen meist Konzentrations- Merkfähigkeits-Störungen.

Das liegt daran, dass wir uns mit der uns gestellten Aufgabe übernommen haben oder dass aufgrund des Alters oder einer neurologischen Krankheit unsere geistigen Kräfte schwinden.

Der Schwindel ist hier also nicht das Ergebnis einer körperlichen Dissonanz, sondern einer Störung des seelischen Gleichgewichts.

 

Häufige Fragen zum Thema (FAQs)

Was ist Schwindel genau?

Nach den Kopfschmerzen ist Schwindel das zweithäufigste Leitsymptom. Häufig haben die Schwindelsymptome eine gutartige Ursache und sie lassen sich korrekt diagnostizieren, wenn die Einordnung der Krankengeschichte sorgfältig erfolgt. Oft lassen sie sich wegen des günstigen Verlaufes erfolgreich therapieren. Schwindel ist ein unspezifisches Syndrom und keine einheitliche Krankheit. Es ergibt sich aus verschiedenen Erkrankungen unterschiedlicher Ursachen.

Was sind die Ursachen für Schwindel und wie kann man vorbeugen?

Schwindelgefühle kommen häufig von einer Störung des Gleichgewichtsorgans im Ohr. Einige andere Ursachen sind zu wenig Flüssigkeit im Körper, eine Herz- Kreislaufschwäche, Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen. Der Hausarzt sollte Auskunft darüber geben können ob es sich um eine organische Ursache handelt. Wenn nicht kann man mit mindestens zwei bis drei Liter Wasser pro Tag, zwanzig Minuten frischer Luft und genügend Bewegung vorbeugen. Auf Genussmittel wie Alkohol, Nikotin, Kaffee und Tee sollte man verzichten.

Welche Untersuchungen kommen in Frage ?

  • Akustikusneurinom – Kernspintomographie (MR)
  • Abnützung der Halswirbelsäule – Röntgen
  • Durchblutungsstörungen – Doppler-Sonographie der Gefäße
  • Entzündung des Hörnervs – Blutuntersuchung
  • Enzephalitis – Blutuntersuchung Lumbalpunktion
  • Epilepsie – Elektroenzephalogramm (EEG)
  • Felsenbeinbruch – Röntgen Computertomographie (CT)
  • Gutartiger Lagerungsschwindel – Gleichgewichtsprüfung
  • Migräne – Neurologische Untersuchung
  • Morbus Meniere – Hör- und Gleichgewichtsprüfung
  • Multiple Sklerose – Kernspintomographie (MR), Lumbalpunktion
  • Neuronitis vestibularis – Gleichgewichtsprüfung
  • Schädelbasisbruch – Röntgen Computertomographie (CT)
  • Schlaganfall / TIA – Computertomographie (CT) und/oder Doppler-Sonographie der Gefäße

 

Welche Arten von Drehschwindel gibt es?

Vestibulärer Schwindel:

Störung in einem Gleichgewichtsorgan

häufig begleitet von Hörstörungen

erfolgt in der Regel attackenweise

Cervikaler Schwindel:

chronische Verspannungen und Fehlhaltungen im Halswirbelsäulenbereich

kurze Schwindelattacken

Bei Schwindelgefühlen gilt es folgendes zu beachten:

Wird ein Schwindel schon ausgelöst, obwohl Sie sich vergleichsweise gering belasten, dauert er nach einem Ereignis wie Karussell fahren, Unfall mit Aufprall, oder einem Schreck noch Stunden an oder tritt er anfallsweise auf, so sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei den Untersuchungen unterscheidet man ganz gezielt in die Symptome und das Körperteil wo der Schwindel hervorgerufen wird. Dementsprechend werden dann auch die Behandlungsmethoden gewählt:

Der Hörnerv:

Ist der Hörnerv erkrankt, kann das viele Ursachen haben. Sollte eine Entzündung vorliegen, muss Blut abgenommen werden.  Bei einem Felsenbeinbruch oder einem Schädelbasisbruch sollte geröntgt werden und/oder Computertomografie (CT) durchgeführt werden. Bei den Gehörerkrankungen Morbus Meniere und Neuronitis vestibularis sollte ein Gleichgewichtstest durchgeführt werden. Sollten Durchblutungsstörungen die Ursache für den Drehschwindel sein, sollte man sich einer Doppler-Sonographie der Gefäße unterziehen.

Im Kopf:

Im Gehirn werden viele Schwindelarten hervorgerufen, die ernste Maßnahmen erfordern. So zum Beispiel Epilepsie, Multiple Sklerose oder Migräne. Hier helfen meist nur die Kernspintomographie (MR), Lumbalpunktion, Elektroenzephalogramm (EEG) oder eine neurologische Untersuchung. Bei einem Schlaganfall muss eine Computertomographie (CT) und die Doppler-Sonographie der Gefäße durchgeführt werden. Bei Enzephalitis muss Blut untersucht und gleichzeitig eine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Sollte eine abgenutzte Halswirbelsäule den Drehschwindel hervorrufen, muss geröntgt werden bevor eine genaue Behandlung von statten gehen kann.

 Zur genaueren Untersuchung ist die Abklärung in einer dafür ausgestatteten Schwindelambulanz empfohlen.